Das Forensic Utopian Key Collective (F.U.K.C.) ist ein Zusammenschluss von Künstler:innen und Designer:innen, der die Schnittstellen von Kunst, Wirtschaft und Bildung untersucht. Ziel ist es, neue Strategien, Methoden und Prozesse der Kunstvermittlung als ästhetisch-didaktisches Prinzip experimentell zu erforschen. Der Aktionsradius des Kollektivs umfasst sowohl systemimmanente Formate des Kunstbetriebs, parasitäre Aneignungen in Bildungs- und Kulturräumen als auch das Spiel mit imaginären und sozialen Ereignis- und Erfahrungsräumen.
F.U.K.C.-Kollektiv stehend v.l.n.r.: Niklas Maranca, Thomas W. Richter, Nicole Christ, sitzend: Christof Breidenich
Im Rahmen der Design- und Kreativitätskurse im Studiengang Leadership in Digitaler Innovation an der Universität der Künste Berlin realisierte F.U.K.C. in drei verschiedenen Semestergruppen zwischen 2022 und 2025 jeweils eine Deep-Fake-Kunstperformance (»You could have fooled me«). Ausgangspunkt waren studentische Themen und Konzepte zu gesellschaftlich relevanten Fragestellungen, die am Ende des Kurses in dokumentarischer, performativer oder installativer Form umgesetzt werden sollten.
F.U.K.C. intervenierte in diesen Seminaren als vermeintliches Team, trat als eingeladene Kunstexpert:innen auf und präsentierte gefälschte Geschichten und Artefakte im Spannungsfeld von Kunst und Wirtschaft. Diese Beiträge sollten auf den ersten Blick wie seriöse Inputs erscheinen, die exemplarisch die Modulziele erweitern und zugleich Einblicke in die Mechanismen des Kunstsystems und seiner ökonomischen Bedingungen geben.
Kunstpostkarten mit gefälschten Kunstwerken
Auf einer zweiten Ebene diente die Performance als künstlerisch-didaktisches Experiment zur Förderung von Kreativität, kritischem Denken und Innovationsfähigkeit. Die studentischen Beiträge wurden dabei schrittweise in das fiktionale Narrativ eingebunden, sodass sich Realität und Fiktion unmerklich vermischten. Für jede Intervention wurde dazu eine eigens hergestellte narrative und performative Logik einstudiert, wobei auf jede studentische Arbeit ein korrespondierender Bezug eingebaut wurde. Die Studierenden befanden sich währenddessen in einer immersiven Situation, in der sich Authentisches und Erdachtes kaum voneinander trennen ließen. Erst in einer abschließenden Reflexionsrunde wurde die Inszenierung als Performance und damit als soziale Konstruktion von Wirklichkeit enttarnt, mit der darüber nachgedacht werden kann, inwieweit sich Realität(en) als konkrete Gestaltungsräume materialisieren lassen.
Vorgehen, Wirkung und Lernergebnisse der Interventionen wurden im Anschluss evidenzbasiert und sozialempirisch erforscht. Erkenntnisse aus künstlerischer Forschung, Wirtschaftsästhetik und Bildungsanforderungen an Zukunftskompetenzen wurden mit qualitativen Interviews unter den Teilnehmenden verknüpft, ausgewertet und im Rahmen wissenschaftlicher Konferenzen sowie Fachpublikationen vorgestellt.
Die Arbeit des Kollektivs an »You could have fooled me« versteht sich somit als experimentelle, künstlerisch-performative Intervention mit analytischer Tiefe – ein Beitrag zur Erweiterung etablierter Vermittlungsmethoden, zur Relevanz ästhetischer Erfahrungen in Seminarräumen und zur kritischen Auseinandersetzung mit akademischen Erwartungshaltungen.


